PHILOSOPHIE

PHILOSOPHIE

Gewohnheit

„Man gewöhnt sich an alles!“ oder „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“: Solche Sprüche gehen im Alltag leicht über die Lippen. Aber dass hinter solchen Floskeln viel Wahrheit steckt, bedenkt kaum jemand dabei. Denn einerseits braucht es eine gewisse Routine, um Struktur ins Leben zu bringen. Andererseits sollte auch mal darüber nachgedacht werden, was man sich alles angewöhnt hat oder vielmehr, was einem angewöhnt wurde. Andernfalls stumpfen Menschen gewöhnlich ab, verstecken sich hinter ihren liebgewonnenen (?) Gewohnheiten, wollen keine neuen Erfahrungen machen – und werden zu einem leichten Opfer für andere. Wie das Tier in folgender Geschichte:

Einem Inder gelingt es, einen Elefanten mit einem ganz einfach Trick zu beherrschen. Er bindet das Elefantenkind mit einem Fuß an einen großen Baumstamm. Sosehr es sich auch wehrt, es kann sich nicht befreien. Ganz allmählich gewöhnt sich das Elefantenkind daran, dass der Baumstamm stärker ist als es selbst.

Wenn der Elefant erwachsen ist und ungeheure Kräfte besitzt, braucht man nur eine Schnur an seinem Bein zu befestigen und ihn an einen Zweig anzubinden, und er wird nicht versuchen, sich zu befreien. Denn er erinnert sich daran, dass er diesen Versuch unzählige Male vergebens unternommen hat.

Wie bei den Elefanten stecken auch unsere Füße nur in einer dünnen Schlinge. Doch da wir von Kindesbeinen an die Macht jenes Baumstammes gewohnt sind, wagen wir nicht, uns zu wehren. Und vergessen darüber, dass es nur einer einfachen mutigen Tat bedarf, um unsere Freiheit zu erlangen.