PHILOSOPHIE

PHILOSOPHIE

Auf den Hund gekommen

Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen. Deshalb ist fast immer der beste Weg, Auseinandersetzungen zu vermeiden. Doch auch als Kampfkünstler kann man nicht jedem Konflikt aus dem Weg gehen – egal, ob es sich um körperliche Gewalt oder sozialen Druck in Beruf oder Privatleben handelt.

Zum Nachdenken darüber brachte mich kürzlich ein guter Freund. Der erzählte mir fröhlich, dass er jetzt auf den Hund gekommen sei. Er und sein vierbeiniger Freund lernen derzeit bei einem Hundetrainer, wie sie am besten miteinander ausgekommen. Dieser Trainer erklärt, dass Hunde in Konfliktsituationen fünf grundlegende Verhaltensmuster haben: „Flucht, Angriff, Vermeidung, Unterordnung sowie Unterwerfung im Rudel.“

Bei genauerer Überlegung fällt auf, dass sich das vom Menschen gar nicht so stark unterscheidet, wie es vielleicht den Anschein hat. Der Mensch neigt schon seit Urzeiten dazu, Konflikte durch Flucht zu vermeiden. Und auch heute noch wird so manches Problem nicht angegangen, sondern gern „auf die lange Bank“ geschoben. Für Angriff und möglicherweise Vernichtung des Gegners hat die Menschheitsgeschichte bis zur Gegenwart unzählige, schreckliche Beispiele zu bieten, und auch auf den Straßen „zivilisierter“ Städte gehören diese Verhaltensweisen zum Alltag. Auch Unterordnung ordnet das Zusammenleben von Menschen. Hierarchien gibt es fast überall. Auch demokratische Entscheidung beruhen letztlich zum Teil auf Unterordnung, denn die Minderheit muss die Meinung der Mehrheit akzeptieren. Eine Tatsache, an der auch lang verhandelte Kompromisse manchmal nichts ändern.

Während mein Freund und ich uns munter darüber unterhielten, kam dessen Vater vorbei. Als sein Sohn ihm von den fünf Verhaltensmustern des Hundes erzählte, sagte der Senior kurz und trocken: „Na, dann ist das ja wie beim Menschen. Wenn man kann, dann soll man!“

Nachdem wir herzlich über den spontanen Spruch des älteren Herrn gelacht hatten, musste ich mit einem Lächeln auf den Lippen an die Erfinder und Vorfahren unserer Kampfkunst denken. Vielleicht haben die ja nicht nur der Sage nach, sondern tatsächlich auch bei Tieren abgeschaut, wie man Konflikte vermeiden oder möglichst rasch beenden kann. Vielleicht auch, was man macht, wenn man soll.